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Mittwoch, 24. November 2010

Nur Gewäsch + Geschwätz

Ost-Ennerich (VSE)
23. 11. 2010 - Di

Heute hier den neuen Apho-Brief,
der vor Tagen losgeschickt wurde, mit der Einladung zur nächsten Lesung im LI-LA Literatur-Laden.


Bei all dem Gewäsch und Geschwätz,
das ständig über die verschiedenen Kanäle einströmt, kann es einem schon zuviel werden bzw. man kann leicht einen zuviel kriegen. Propaganda in Permanenz kann ich nun mal nicht ertragen, da schalt ich lieber ab, denn dafür ist mir die Zeit zu schade; und schlechte Laune hat der November eh zur Genüge im Gepäck.

Aber das scheint mir mehr ein Markenzeichen
dieser Zeit zu sein und dürfte dereinst wohl zum Leitfossil avancieren, wenn es darum geht, diese unsere Epoche in ihrem Hang zur Besserwisserei in Kombination mit idiologischer Gängelung und reichlich Gutmichelei
zu charakterisieren, nämlich diese vernutzte und verhunzte Sprache, diese totgerittenen Begriffe, verquaste Formeln, umständliche Begrifflichkeiten, dies politisch-korrekte Gesülze, Brabbeldeutsch, die verenglischte Jugend- und Werbesprache, die sprachlichen Verrenkungen und ebensolche Verkleisterungen in Medien und Politik und was einem sonst noch so alles Tag für Tag vor die Augen kommt und in die Ohren dringt.

Während man
früher vor allem
darauf achtete, daß die Kinder sich einer gewählten Ausdrucksweise befleißigen sollten, und man ihnen die Verwendung von zuviel Jargon und von obszönen Wörtern übelnahm, sind es heute zur Hauptsache die Erwachsenen, die man mit sprachpädagogischen Maßnahmen traktiert, damit sie lernen, wie ma gewisse Gruppen, bestimmte politische Sachverhalte, gravierende gesellschaftlichen Probleme oder sonstige Streitfragen richtig benennt ohne dabei zu diskriminieren oder damit zu polarisieren.

Nun, Lavieren und Herumeiern
gilt dieser Tage als große Tugend, nur nennt sich das anders und außerdem kommt es mit eim trendigen Mäntelchen versehen als kultursensible bzw. gerechte, ja geschlechtergerechte Sprache daher. Vor Jahren wurde denn auch das altehrwürdige, sogenannte Buch der Bücher modernisiert, also sprachlich auf den neuesten Stand gebracht und unter dem programmatischen, allzu selbstgerechten Titel Die Bibel in gerechter Sprache neu herausgegeben.

Gleich und gerecht
als die Heilsworte dieser Zeit, die in keiner Verlautbarung fehlen dürfen. Aber daß ma sich in theologischen Kreisen heute so sehr auf diese utopische Zielsetzung kapriziert, mutet schon ein wenig seltsam an, sintemal die Gerechten im NT alles andere als gut weckkommen.

Auf dem direkten Weg,
soviel scheint sicher, ist dem hehren Ziele nicht wirklich beizukommen. Gleich und gerecht fungieren dabei als die Honigworte, denen die Leute auf den Leim gehen sollen. Aber gleichgerichtet wenn nicht gleichgeschaltet schaut dann das Ergebnis aus.

Bei all den Zumutungen
in sprachlicher Gestalt, die für diese Zeit und erst recht für den Zeitgeist so charakteristisch
geworden sind, tut es gut, sich zum Ausgleich mit unverfälschter Sprache einzulassen und einem Autor zu lauschen, der sich der deutschen Sprache auf kraftvolle und bildreiche Art zu bedienen weiß.

Ein wahrhafter Dichter,
der mit seiner Zeit und dh. vor allem wegen der Ignoranz und Kulturlosigkeit der Zeitgenossen aufs höchste unzufrieden war und dies
in bestechenden Versen zum Ausdruck brachte.

Denn auch damals
gab es anläßlich
der allgemeinen Entwicklung Grund genug für eine wohlartikulierte Klage.

Am Freitag,
den 26. Nov. 2010
um 20.15 Uhr
im LI-LA Literatur-Laden



Friedrich Hölderlin – ‚An die Deutschen‘


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]| 83. |[

Die Daten stammen
von der englischen Großbank
Ejtsch Es Bie Sie

(DLF Nachrichten vom 1. 2. 10)

... Musikspur: Rammstein - We’re all living in America ...

Mittwoch, 3. März 2010

irgendwie verrutscht gegangen

Ost-Ennerich (VSE)
2. März 2010, Di

Stelle heute mal den Text hier rein, den ich vor zwei Tagen als Einladung für die neue Lesung im LI-LA Literatur-Laden per Emie verschickt habe. Hat auch noch einmal mit dem Winter zu tun, aber aus eim wesentlich erfreulicheren Blickwinkel. Wer hier aus Berlin hin und wieder mitliest und diesen Samstag Zeit und Interesse hat, darf sich ruhig angesprochen fühlen …


Liebe Freunde,
liebe Leser des Apho-Briefs,
die Tage sind merklich länger geworden und der Winter hat sein strenges Regiment fürs erste aufgehoben - ein Hauch von Frühling war in den letzten Tagen durchaus schon zu spüren. Wie angenehm doch endlich wieder festen und trockenen Grund unter den Füßen zu haben und den Mantel nicht mehr zuknöpfen zu müssen. Jetzt so langsam werden die Uhren wieder auf Null gestellt und ein neuer Zyklus schickt sich an zu beginnen. Die Winterstarre fällt nun ab, die Transition durch das dunkle Viertel ist auch bald vollzogen und die Lebensgeister strömen einem von überall her zu.
Wie schön wieder das süße Flöten der Amseln zu hören in früher Morgenstunde ! Dann erst, so will mir scheinen, fängt das neue Jahr eigentlich doch erst wirklich an. Und nicht kurz nach der längsten Nacht am 31. 12. Das habe ich bis heute nicht begriffen, warum gerade in dieser, für gewöhnlich eiskalten Nacht denn Jahr für Jahr der Jahreswechsel stattfinden muß. Daß es mal anders war (wie auch in vielen anderen Regionen der Welt noch immer so gehandhabt), läßt ein Blick auf unsere Monatsnamen zu erkennen, die ab dem 9. Monat der Einfachheit halber numeriert wurden - September, Oktober, November, Dezember. Was auf deutsch also Siebenter, Achter, Neunter, Zehnter meint. Mit anderen Worten beim 'Zehnter' ist Schluß, obwohl es doch der Monate Stücker zwölfe hat, insgesamt ein ganzes Dutzend, (ein dreckiges Dutzend wie es Uli Becker mal in eim gleichnamigen Gedichtzyklus trefflich beschrieben hat.)
Wieso ist da nun etwas verrutscht gegangen, warum hat man das Jahr nicht mehr mit dem Frühling und dessen
holden, belebenden Blick beginnen lassen ? Irgendjemand hat also am Kalender gedreht und das vor langer Zeit, vor 2000 Jahren muß es gewesen sein, denn es war wohl Caesar, der diese Zäsur setzte. Aber warum ist mir bis heute schleierhaft. Es sei denn, ich erklär mir's wie die alten Römer. Nämlich - nomen est omen.

Bevor ich's vergesse,im LI-LA Literatur-Laden beginnen nun wieder die Lesungen und schon am kommenden Samstag geht's los um 20.15 Uhr - mit einer Lesung in eigener Sache bzw. mit eigenen Texten die Spätzeit betreffend mitsamt den Verwerfungen und Absurditäten, die längst Alltag sind.
Am 6. 3. 2010 nun zum Einstieg in die neue Saison:

Eo Scheinder - 'Je später die Zeit ...'

Um so herber die Sprüche. Prägnante Texte zu Zeit, Zeitgeist und Zeitgeschehen ebenso wie pointierte Sprüche über den ganz normalen Wahnsinn einer aus den Fugen geratenen Zeit.
Der Berliner Freestyle-Philosoph Eo Scheinder liest eine aktuelle Auswahl hintersinniger Stücke aus seinen Büchern und Bloggs.

Die Lesung findet statt - im LI-LA Literatur-Laden in Berlin-Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 9 – (Eintritt: 4 Euro, erm. : 3 Euro.)


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Den obigen Spruch hatten wir schon mal, oder ? Dann eben noch einen anderen; war mal Kalenderspruch (Dezember 2008)

☼ 45. ☼


Wenn die Zeit zu sehr
aus den Fugen gerät,
braucht es wieder die Dichter.



Im Raucher-Club ein Originaltext zu eim alten Streit...

...Musikspur: Tanita Tickaran - Twist in my Sobriety...