Mittwoch, 10. März 2010

Woran erkennt ma eigentlich...

Ost-Ennerich (VSE)
9. 3. 2010 - Di


Woran erkennt man eigentlich, daß sich eine Zeit, oder besser eine Epoche, eine Ära, sich im Niedergang befindet ? Ach, das ist, glaubich, ein müßiges Unterfangen, soviele Parameter sind’s, die nach unten weisen, soviele Mißstände, an denen man tagtäglich vorüberkommt, ganz zu schweigen von ständig zunehmender Gewalt und Ghettoisierung ganzer Stadtviertel; und nicht nur die häßlichen Grafittis an Häuserfassaden und ebenso auf rollendem Material sind da ein deutliches, ein sprechendes Zeichen an der Wand. Diese Aufzählung kann man sich als Zeitgenosse eigentlich sparen, jeder weiß es - instinktiv, jeder spürt es - im stillen, aber fast alle nehmen sie es weiter hin, bleiben untätig, als wären sie paralysiert. Indizien, Belege, Trends gibt es wahrlich zuhauf und die Entwicklung, bei dem mit Verbissenheit verfolgten Kurs läßt folglich nichts Gutes hoffen. Und warum ist das so ? Weil das nun einmal der Lauf der Dinge ist, denn alles das, was lebt, ist wert, daß es zugrundegeht ?! Aber selbst wenn, sollte man dann die Hände fatalistisch in den Schoß legen, alles und damit jede Zumutung hinfort immer bloß schlucken, mit ohnmächtigem Groll hinnehmen und fortan nur noch griesgrämig dreinschauen, oder wäre es nicht besser sich noch einmal gegen das Schicksal aufzubäumen (wenn es denn überhaupt ein Schicksal ist und nicht ein äußerst perfider Plan) und zunächst für sich ganz allein sein entschiedenes NEIN zu artikulieren, vorerst im stillen, und zu erkennen, daß Einsatz und Kraft und auch Mut vonnöten sind, um gegen den Niedergang anzukämpfen. Und was ist nun der eigentliche Grund für den Niedergang ? Ich denke, das liegt auf der Hand. Es liegt eindeutig an der Führung, an denen also, die die Schaltstellen besetzt haben (und unter sich aufgeteilt) und die den Kahn bzw. Karren steuern. Wenn ein Auto, eine Firma oder ein Tanker vom Weg oder vom Kurs abkommen und einer schweren Havarie entgegentaumeln, liegt dies in den meisten Fällen eben am Fahrzeugführer, an den Chefs oder am Kapitän. Wer nicht steuern kann und mit dem Fahrzeug nicht richtig umzugehen weiß, wird schwerlich einen sicheren Hafen bzw. sicher einen Hafen erreichen. Und genau daran erkennt man, unmißverständlich den Niedergang; den Leuten zunächst schmackhaft gemacht durch süße Dekadenz. Statt einer Elite haben wir vielerorts das schiere Gegenteil; denn es sind vielerorts die falschen Leute nach oben vorgestoßen an die Schalthebel und Steuerräder und denen ermangelt es vor allem an Kompetenz und Weitsicht, zumeist Großschnauzen und Flachpfeifen, die sich das Terrain, also die modernen Pfründe einvernehmlich unter sich aufteilen. Das ist zumeist auch ihr Hauptbegehr und ihr höchstes Bestreben. Und das Wohle des Ganzen, das nun ihrer Obhut anvertraut ist, verlieren sie aus Eitelkeit und geistiger Beschränktheit nur allzu leicht aus den Augen. Der Niedergang ist nicht dem Schicksal geschuldet, sondern allein dem Führungspersonal, das einen falschen, ja einen fatalen Kurs steuert und immer weiter und immer schneller auf abschüssiger Strecke zu Tal rast.


Gestern am 8. war ja jener ominöse Weltfrauenbeauftragten-Tag, der aber offiziell, weil’s eben deutlich kürzer ist normalerweise unter Weltfrauentag firmiert. Aber ehrlich gesagt, geht es an diesem Tag weniger um die Frauen als vielmehr um die Frauenbeauftragten. Denn just an diesem Tage werden, wie ich beruflich bedingt schon erlebt habe, bevorzugt die Frauenkongresse abgehalten, weil ja gerade Weltfrauentag ist, was auf diesen Kongressen dann aber dazu führt, daß sich dort dann fast ausschließlich nur die Frauenbeauftragten von allen möglichen staatlichen und halbstaatlichen Institutionen und aus der Politik, die natürlich Frauen sind, zumindest dem Geschlecht nach, treffen und versammeln und groß palavern von Diskriminierung und noch zu erreichenden Zielen. Was dort für Frauen zusammen kommen ... Ich darf gar nicht dran denken, ich erspar mir lieber den Kommentar, nun, die Emanzipikierten stellen jedenfalls mit großem Abstand die Mehrheit

Da mir diese Weltdingsbumstage wie Welt- (Frauen, Kinder, Nichtraucher usw)-Tage als neue Gedenk- und Feiertage der zivilisiertern Zivilgesellschaft nicht bloß albern anmuten, sondern mich auch ein wenig ärgerlich stimmen, weil ordentlich vom Steuerzahler gepuscht sich die feministischen Netzwerke in ihrer ganzen Drögheit wichtigtuerisch präsentieren können, und zuden eine andere, vergleichbare Mode, jene aufgeblasene Iwent-Hascherei mit diesen sogenannten Tagen der offenen Tür, der offenen Mosche, des offenenen Denkmals usw. grassiert, schlägt mein Spruch heute schön eklig in ebendiese Richtung aus.

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ℓ 47. ℓ


Am Tag der offenen Wunde
werden für 24 Stunden
alle Verbände entfernt.


Und wer bis hierhin drangeblieben ist, findet valleicht das hier auch noch lesenswert. Und der Spruch von damals ist ebenso nicht ganz unpassend.


…Musikspur: Puccini - Tosca / E lucevan le stelle…

Montag, 8. März 2010

Das Land der Lüge

Ost-Ennerich (VSE)
7. 3. 2010 - So

Lügen platzen leicht, je größer sie werden - ganz so wie Seifenblasen; und ähnlich ergeht es den Kartenhäusern, die allzu hoch und prächtig aufgetürmt werden. Eine solche Erkenntnis ist nicht gerade ein Naturgesetz, aber derlei erfährt und versteht jedes Kind. Das Land der Lüge kann somit nicht auf Dauer Bestand haben. Und wie viele Lügen hängen drall aufgeblasen wie Luftballons in der Luft, daß man schon fast den Himmel nicht mehr sehen kann. Ach ja, Lügen und Luftballons haben gar einiges miteinander gemein. Sie wirken nicht nur aufgeblasen, sie sind es auch, sie kommen auch gern in knalligen Farben daher und suggerieren eine schillernde Größe, die unübersehbar ist und so richtig was hermacht und leicht einlullt. Wenn man den Lügen glaubt, also ihnen auf den Leim geht, fühlt man sich auch erst mal in der Stimmung gehoben und wird von der Illusion sanft gewiegt. Aber wehe, es kommt einer dem Luftballon mit eim spitzen Gegenstand oder einer brennenden Zigarette zu nahe ! Nicht anders ergeht es der Lüge, wenn sie mit harten Fakten konfrontiert wird oder ganz uncharmant auf den Prüfstand gestellt wird. Mag sie auch nicht sogleich platzen, sondern erst einmal Risse bekommen, die heiße Luft daraus entweicht doch merklich. Was, wenn nun das ganze Land sich in der Lüge eingerichtet hat, in einer Illusion gefangen ist und jeder geknebelt wird, der statt weiter der Illusion zuzuarbeiten diese als eine solche benennt und auf einen vernachlässigten Bereich namens Wirklichkeit hinweist ! Er hat einen schweren Stand und wird alsbald von den Offizieren der Lüge alsbald kräftig unter Beschuß genommen, wird eventuell sogar aus seim Verein rausgeschmissen, obwohl er eigentlich nicht mehr verlangt, als daß man reale Fakten anerkenne und damit eben die Realitäten, die das Leben in der Gesellschaft unschön und gefährlich machen, endlich zur Kenntnis nehme und darauf angemessen reagiere, vor allem im Hinblick auf die Zukunft. Wider den Stachel des Zeitgeists zu löcken, trauen sich daher nur wenige, zumindest wenn ein Mikrofon in der Nähe ist und sie schon etwas weiter oben in der Hierarchie stehen und dahero etwas zu verlieren haben. Der Irrsinn geht seinen Gang und (fast) alle laufen mit, wenn auch nicht fröhlich und richtig überzeugt.
Jaja, wer die Wahrheit sagt, muß ein schnelles Pferd haben. Oder besser noch einen Maserati ? Nein, auch der Maserati-Mann ist mit seiner nicht unauffälligen Kiste nun doch richtig aufgefallen bzw. aufgeflogen, was dazu führte, daß er sich von seiner stolzen Rakete kurz danach getrennt hat. Ganz sicher nicht aus freien Stücken (sonst wäre er auch gar nicht beim Maserati gelandet), sondern nur allein deshalb, weil sich die Lüge nicht länger aufrecht erhalten ließ. (Stadtrundfahrten durch Problemkieze mit dem als Dienstwagen ausgegebenen Edelflitzer).
Als ich letztens durch die Straßen ging und alles in mich einsog, was ich an Leuten und Gebäuden sah, mußte ich unversehens denken...


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╬ 46.


Wir sind nicht bloß dekadent,
nein, wir sind auch schon
ziemlich degeneriert.


Und dieser Beitrag mit Titel Dummenfang stand vor längerer Zeit in eos-o-ton.

... Musikspur: Gustav Holst - Saturn / Die Planeten ...




Weitere Info hier

Donnerstag, 4. März 2010

Das Zentrum von Rentzum

Ost-Ennerich (VSE)
3. 3. 2010 - Mi

Letztens kam mal wieder Sandra Kas in den Laden und übergab mir, nachdem wir eine Weile angeregt geplaudert hatten, (Und worüber ? Über die Zustände im Land, wovon man ja schon langsam Zustände kriegt), einen kurzen, parabligen Text. Der Text ist knapp und knackig und eigentlich hier gut aufgehoben. Alla dann.


Das Zentrum von Rentzum
befand sich schon seit geraumer Zeit nicht mehr in der Mitte,
sondern lag ziemlich weit links außen.
Warum das so war, wußte keiner so recht,
doch man hatte es geschafft,
die Mitte zu einer gefährlichen Zone zu erklären,
die mit erheblichen Altlasten kontaminiert sei.

Statt eines Spruchs heute eine Rätselfrage:

Wieviel Promille sind ein Heubl ?

Die beiden ersten richtigen Einsendungen erhalten zwei Freikarten für die nächste Lesung im LI-LA Literatur-Laden jetzt am Samstag (oder ein ‘Rauchen-kann-gemütlich-sein-Schild’, falls der Anfahrtsweg zu weit ist


...Musikspur: Rammstein - Engellied...

Mittwoch, 3. März 2010

irgendwie verrutscht gegangen

Ost-Ennerich (VSE)
2. März 2010, Di

Stelle heute mal den Text hier rein, den ich vor zwei Tagen als Einladung für die neue Lesung im LI-LA Literatur-Laden per Emie verschickt habe. Hat auch noch einmal mit dem Winter zu tun, aber aus eim wesentlich erfreulicheren Blickwinkel. Wer hier aus Berlin hin und wieder mitliest und diesen Samstag Zeit und Interesse hat, darf sich ruhig angesprochen fühlen …


Liebe Freunde,
liebe Leser des Apho-Briefs,
die Tage sind merklich länger geworden und der Winter hat sein strenges Regiment fürs erste aufgehoben - ein Hauch von Frühling war in den letzten Tagen durchaus schon zu spüren. Wie angenehm doch endlich wieder festen und trockenen Grund unter den Füßen zu haben und den Mantel nicht mehr zuknöpfen zu müssen. Jetzt so langsam werden die Uhren wieder auf Null gestellt und ein neuer Zyklus schickt sich an zu beginnen. Die Winterstarre fällt nun ab, die Transition durch das dunkle Viertel ist auch bald vollzogen und die Lebensgeister strömen einem von überall her zu.
Wie schön wieder das süße Flöten der Amseln zu hören in früher Morgenstunde ! Dann erst, so will mir scheinen, fängt das neue Jahr eigentlich doch erst wirklich an. Und nicht kurz nach der längsten Nacht am 31. 12. Das habe ich bis heute nicht begriffen, warum gerade in dieser, für gewöhnlich eiskalten Nacht denn Jahr für Jahr der Jahreswechsel stattfinden muß. Daß es mal anders war (wie auch in vielen anderen Regionen der Welt noch immer so gehandhabt), läßt ein Blick auf unsere Monatsnamen zu erkennen, die ab dem 9. Monat der Einfachheit halber numeriert wurden - September, Oktober, November, Dezember. Was auf deutsch also Siebenter, Achter, Neunter, Zehnter meint. Mit anderen Worten beim 'Zehnter' ist Schluß, obwohl es doch der Monate Stücker zwölfe hat, insgesamt ein ganzes Dutzend, (ein dreckiges Dutzend wie es Uli Becker mal in eim gleichnamigen Gedichtzyklus trefflich beschrieben hat.)
Wieso ist da nun etwas verrutscht gegangen, warum hat man das Jahr nicht mehr mit dem Frühling und dessen
holden, belebenden Blick beginnen lassen ? Irgendjemand hat also am Kalender gedreht und das vor langer Zeit, vor 2000 Jahren muß es gewesen sein, denn es war wohl Caesar, der diese Zäsur setzte. Aber warum ist mir bis heute schleierhaft. Es sei denn, ich erklär mir's wie die alten Römer. Nämlich - nomen est omen.

Bevor ich's vergesse,im LI-LA Literatur-Laden beginnen nun wieder die Lesungen und schon am kommenden Samstag geht's los um 20.15 Uhr - mit einer Lesung in eigener Sache bzw. mit eigenen Texten die Spätzeit betreffend mitsamt den Verwerfungen und Absurditäten, die längst Alltag sind.
Am 6. 3. 2010 nun zum Einstieg in die neue Saison:

Eo Scheinder - 'Je später die Zeit ...'

Um so herber die Sprüche. Prägnante Texte zu Zeit, Zeitgeist und Zeitgeschehen ebenso wie pointierte Sprüche über den ganz normalen Wahnsinn einer aus den Fugen geratenen Zeit.
Der Berliner Freestyle-Philosoph Eo Scheinder liest eine aktuelle Auswahl hintersinniger Stücke aus seinen Büchern und Bloggs.

Die Lesung findet statt - im LI-LA Literatur-Laden in Berlin-Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 9 – (Eintritt: 4 Euro, erm. : 3 Euro.)


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Den obigen Spruch hatten wir schon mal, oder ? Dann eben noch einen anderen; war mal Kalenderspruch (Dezember 2008)

☼ 45. ☼


Wenn die Zeit zu sehr
aus den Fugen gerät,
braucht es wieder die Dichter.



Im Raucher-Club ein Originaltext zu eim alten Streit...

...Musikspur: Tanita Tickaran - Twist in my Sobriety...








Dienstag, 23. Februar 2010

aufs falsche Gleis gesetzt

Ost-Ennerich (VSE)
22. 2. 2010, Di


Wir leben trotz eines anhaltenden, über Monate fast durchgängig frostigen Winters nicht in einer Eiszeit; die innerstädtischen ‘Gletscher’ dh. die ausgedehnten Vereisungszonen, sind nun wieder am Tauen und lassen überall Endmoränen, also unansehnliche Geröllhaufen aus Granulat und häßlich wieder zutagetretenden Silvestermüll zurück. Viel eher leben wir, wie ich des öfteren den Eindruck habe, dagegen in einer Scheißzeit. Denn die größte Kacke wird dieser Tage nur zu gerne öffentlich prämiert und damit quasi als Vorbild ausgegeben; und von all den Unbedarften aufgesogen und von den Jungen bereitwillig nachgeahmt. Systematisch aufs falsche Gleis gesetzt durch die Ästhetik des Häßlichen und der Rotzigkeit und angelockt von falschen Versprechungen landen sie schon früh im Lager der Durchtriebenen, der Schelme und Zyniker, der Ego-Trickser also, die allesamt vor allem eine Haltung verbindet (und verbündet), nämlich mit windigen Sachen, grob gesprochen mit irgendeiner Idiotie, mit stupider Jelänger-jelieber-Kunst oder mit ausgeklügelten Provokationen und anderen Geschmacklosigkeiten (aus bzw. als Prinzip) in den Fokus zu kommen und dann wie im Märchen steil nach oben getragen zu werden. Die Sehnsucht nach Ruhm, die heute zu einer reinen Publicity-Sucht (verbunden mit prall gefüllten Bankkonto) mutiert ist, wirkt bei allen als Treibgas, pardon als die eigentliche Triebkraft.


--Ff--- (= der Beitrag wird fortgesetzt)


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Der Spruch heute stammt aus der Rubrik
Geschichten in einem Satz


₪ 44. ₪

Die schlechte Gesellschaft, sagte er,
habe er in Bad Kampeny kennengelernt.


Und wer sich mal in den Apho-Blogg vertiefen will, wird etwas spannendes finden. Paßt zu hier, liegt aber schon ein wenung zurück.

...Musikspur: Lionard Cohen - Passing through / Live Songs...





Schreibkurse im LI-LA Literatur-Laden

Dienstag, 16. Februar 2010

mit eim Klick


Ost-Ennerich (VSE)
15. 2. 2010, Mo


Das Inet ist salopp gesagt schon eine irre Sache, und das positiv gemeint; kann jedoch auch ins schiere Gegenteil umschlagen, aber wem sage ich das. Es ist als ob sich urplötzlich mit dem Internet ein neuer Kontinent aufgetan hätte, der mit einfachen Mitteln und ohne groß mutig sein zu müssen, befahren werden kann; und aufs Geradewohl zu wundersamen Entdeckungen einlädt. Nicht bloß hinter jeder Biegung, nein hinter jedem Stein und sei er noch so klein, verbirgt bzw. öffnet sich eine neue Welt, die zum Eintreten und Verweilen animiert. Mit eim Klick landet man in der subjektiven Welt ihres Schöpfers, also ihres digitalen Creators, der seine Welt, besser seine Sicht der Dinge, sein Anliegen, seine Botschaft und was ihn sonst noch so beschäftigt und umtreibt allen, die es hören und sehen möchten, auf seiner Seit kund tun will; und wenn das nicht der Fall ist, dann weil er aus kommerziellen Interesse sein jeweiliges Angebot und seine speziellen Kompetenzen offeriert. Wenn ich dann in diesem neuen Kontinent unterwegs bin, in dieser digitalen Schattenwelt, und das meint auf gut Glück im Inet herumsörfe, komme ich mir schon mal vor wie Martin Venator am Luminar in 'Eumeswil’. Immer wieder hochinteressante Entdeckungen, die sich ohne große Mühen ergeben, darunter vor allem überraschende Zufallsfunde, die einfach anfallen oder besser plötzlich so reinschneien. Und diese sind mir die liebsten. Es ist schon so, daß ich konkret eher ungern suche und auch zumeist nur dann, wenn es unbedingt erforderlich ist. Lieber ist mir das Finden, das ohne nerviges Suchen auskommt. Mal folge ich einer ausgelegten Spur in eim Blogg oder ich gebe zweidrei Worte ein bzw. eine kurze Wortfolge in Gänsefüßchen, schweife über den angezeigten Seiten oder über die aufgeführten Bildchen (ja, die Bildersuche ist nicht zu verachten, und klicke auf die Seiten, die durch Bild , Grafik oder Satzfetzen vielversprechend, ja spannend erscheinen. Und schon landet man quasi in den unterschiedlichsten Köpfen, in Denkwelten von teilweise echt faszinierenden Ausmaßen. Ich muß allerdings die virtuellen Ausflüge in der Art des freien, unbeschwerten Sörfens zeitlich begrenzen, um nicht zu sehr in diese überbordende Vielfalt hineingezogen zu werden. Denn klebt man zulange am Netz, verliert sich leicht der Tag wie auch der Zusammenhang und es wird am Ende dann doch langweilig, weil alltäglich, so als würde man über Stunden ohne Unterlaß in Illustrierten blättern, die stapelweise rumliegen. Aber etwas dosiert mit dem überwältigenden, ja unüberschaubaren Angebot umgegangen, ist das sogenannte Sörfen im Netz eine sehr gute Animation und im Ergebnis eine wahre Fundgrube, die mich immer wieder staunen macht. So bin ich gestern auf einer anspruchsvollen, reichhaltigen Seite gelandet (durch Zufall natürlich), die sachkundig und mit Sympathie die brandenburgisch-preußischen Herrscher präsentiert. Bin dann gleich beim Großen Kurfürsten hängen geblieben, der mir seit jeher besonders imponierte durch seinen tatkräftigen und vorausschauenden Charakter und eigentlich meine Lieblingsgestalt in der preußischen Geschichte verkörpert. Dabei fällt ein Blick auf seine Lebensdaten und ich staune nicht schlecht. Er ist nicht allein Wassermann, was mir gleich sympathisch ist, nein, er hat auch fast am gleichen Tag wie ich Geburtstag, gerade mal ein Tag Differenz. Daher also diese vorab gespürte Sympathie. Nikt schlekt. Und dort hatte es, keine Frage, auch schöne Porträts zum Anschauen und Herunterladen; wo ich dann nicht widerstehen konnte. Aus eim der Gemälde dann eine schöne Collage gebastelt, die nun zur Ehre Friedrich Wilhelms, des Großen Kurfürsten, hier zum 390. Geburtstag am 16. Februar im Blogg erscheint.
Falls von Seiten der Leser Interesse besteht, würde ich hin und wieder von solichen Entdeckungen berichten und die Trouvaillen samt Verweis dann kurz präsentieren. Aber wenn’s niemanden groß interessiert, spar ich mir halt die Mühe und denke an den schon geflügelten Slogän von Mediamarkt.

Ein neuer Beitrag im Apho-Blogg - noch mal zum Thema ‘Gab es einst Riesen’.


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♀ 43. ζ

Was machen unsere Politiker eigentlich ?
Ja, ich weiß, sie machen den (eigenen) Leuten
ständig neue Vorschriften.
Aber die eigentlichen Miß- und Übelstände
werden von ihnen nicht angegangen
geschweige denn abgestellt.


...Musikspur: Kaoma - Lambada...



Mittwoch, 10. Februar 2010

wie Winter in Moskau



Ost-Ennerich (VSE)
9. 2. 2010, Di
Gestern gleich dreimal die vereiste Fußgängerzone passiert; nicht wegen Einkäufen, sondern weil mein Weg mich derzeit fast täglich durch die Wilmi führt. Seit fast sieben Wochen nun durchgängig von einer hohen Lage Schnee bedeckt, die inzwischen natürlich schon längst in sich zusammengefallen und nach kurzer Auftauphase die letzte Woche zu eim bizarren Eispanzer erstarrt ist. Ein Mini-Gletscher sozusagen aus schmutzigem Eisbeton, der die gesamte breite Geschäftszeile überzieht; mit Ausnahme eines (noch nicht mal durchgehenden) lächerlich schmalen geräumten Streifens auf jeder Seite, der direkt an der Gebäudefront entlangläuft . Als ich dann spät bei Minusgraden dieselbe durchschritt, diesmal nahezu ohne Gegenverkehr, es war schon nach Geschäftsschluß, mußte ich unwillkürlich denken - ja, so stell ich mir den Winter in Moskau vor: Eis und Schnee auf etliche Monate, zu Bergen aufgeschüttet und als hohe Wälle die Straßen säumend. Und siehe da, man gewöhnt sich auch daran. Aber dort sinkt das Thermometer des öfteren allerdings, wie man weiß, noch ein gutes Stückchen weiter in den Keller. Trotzdem meine ich nun in etwa eine Vorstellung davon zu haben, denn soviel Winter am Stück war in diesen Breiten schon sehr lange nicht mehr. Und er hält uns auch weiter im Griff, das Tauwetter die letzte Woche erwies sich ja doch nur als kurzatmiges Intermezzo und bis zu den befreienden Versen ‘Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …’ dürfte es noch eine ganze Weile hin sein. Der Winter zeigt sich heuer als Elementargewalt, die dem Menschen mal eben seine Grenzen aufzeigt und so die wahren Verhältnisse aufzeigt bzw. diese zurecht rückt; nicht viel anders oder ganz so, wie es dieser rauhe, kernfeste Mann in vergangenen Jahrhunderten auch schon gehalten hat. Was heute jedoch auffällt, ist der Eindruck, als wären die Menschen, die Räumkräfte und die Institutionen allesamt kalt erwischt worden. Man hat die vereisten und teilweise extrem glatten Gehwege und Straßen zum großen Teil einfach hingenommen, ist vorsichtig aufgetreten und hat ein bißchen geschimpft, ganz so wie bei anderen Zumutungen von oben auch, und darauf vertraut, daß schon bald wieder alles wecktauen würde. Aber genau diesen Gefallen mochte der Winter uns nicht tun, abgesehen von einigen Tagen mit Tagestemperaturen über Null, die das Eis auf den Gehwegen in Matsch verwandelten. Immerhin ein Zeitfenster von mindestens zwei Tagen, an denen man ohne großen Kraftaufwand die Gehwege mit eim bißchen Kehren und eim bißchen Schippen schnee- und eisfrei bekommen hätte. Doch diese Chance wurde weiter nicht genutzt, am ehesten noch von Privatleuten, aber am wenigstens von den Geschäftsleuten, die entweder einen breiten rutschfreien Zugang zu ihren Läden nicht als besonders wichtig erachteten oder es einfach nicht geregelt bekamen, für einen solchen zu sorgen. Eine derartige Nachlässigkeit, so die einhellige Meinung bei älteren Berlinern, hätte es vor dreißig Jahren nicht gegeben. Der WELT war dieser anhaltende Mißstand letztens sogar einen Leitartikel wert und der Autor wertete das Versagen als symptomatisch für den Zustand des ganzen Landes. Gemeinsinn, Verantwortung und Pflichtgefühl sind inzwischen, wie dies Beispiel zeigt, leider Mangelware. Wie wird es also sein, wenn andere unverhoffte Ereignisse mit Sitzfleisch, die man nicht (mehr) so ganz auf der Rechnung hat, mit Macht eintreten und das Leben stark beeinträchtigen und in Mitleidenschaft ziehen, mögen sie nun durch elementare Kräfte, Wetterkapriolen und Klimaschwankugen von außen oder durch Verschärfung des gesellschaftlichen Klimas und im Gefolge sozialer Eruptionen von innen her verursacht oder angestoßen worden sein.

Wer sich für die Macht des Plötzlichen interessiert …

Für den Spruch zum Ausklang habe ich mich aus eim der letzten Beiträge bedient, da ich es schade fände, wenn dieser Satz, der im Vorspann zum Knut-Wetter stand, nicht noch einmal extra herausgestellt würde, schließlich charakterisiert er diesen Winter in Bezug auf eine gewisse Prognose äußerst knapp und auf saloppe Art.




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≤ 42. ≥

Der Winter hustet dem Klimawandel was;
(und all denen, die uns damit schrecken wollen)


…Musikspur: Der Winter - Allegro / Vivaldi (Viktoria Mullova) …