Mittwoch, 9. Dezember 2009

ein Täschchen in Tschechien


Ost-Ennerich (VSE),
den 8. 12. 09 Di
Wer schreibt, der bleibt - hieß es einmal. Doch die Zeiten sind lange schon vorbei, zu sehr ist man von Gedrucktem und Geschriebenem umgeben und wird damit überhäuft, als daß man diesem Umstand noch eine besondere Relevanz beimessen könnte. Auch Sprüche veralten; und irgendwann kommt immer der Punkt, daß sie keiner mehr hören mag, wenn und weil sie zu oft eingespielt und heruntergeleiert wurden. Gilt im besonderen Maße für die blöden, äh hohlen Sprüche in Politik und Medien, wenn zB. von Hausaufgaben die Rede ist, die nicht oder noch gemacht werden müssen, von den Menschen im Land oder in Form dieser unsäglichen, aufgeblähten, der Intention nach vorurteilsmindernden Ausdrucksweise, nein Formel wie ‘mit Migrationshintergrund’ und ‘ohne Migrationshintergrund’, dann wenn man die Deutschen von den Ausländern unterscheiden, die Alteingesessenen gegenüber den Neuankömmlingen statistisch abgrenzen will. In meinen Ohren ein ziemlich albernes und zudem schlechtgemachtes Wortgeklingel, das an skurile DDR-Wortschöpfungen wie geflügelte Jahresendfigur oder Winkelemente erinnert. Aber trotzdem seinen Sinn hat - nämlich, um bestimmte Denk- und Ausdrucksweisen zu installieren und damit die Böcke von den Schafen zu scheiden; keine Frage, das sind die modernen Mini-Geßlerhüte des Alltags. Und wehe, es sagt einer Tschechei ! Denn das klingt verdächtig nach Autobahn. Immer wieder schön unterwegs im spontan sich ergebenden Gespräch zu erleben. Die Leute achten in der Regel doch sehr auf die Worte, die sie wählen - gerade bei brisanten Themen und schwierigem Terrain. Gut, dann sagt man eben Tschechien, die Medien machen’s ja durchgängig vor - und hat gleich einen lustigen Reim. Das mit dem Koffer in Berlin ist längst sprichwörtlich, aber Prag mit seinen vielen alten, zauberhaften Türmen ist gewiß auch nicht schlecht. Soviel kann ich sagen. Und dort etwas haben bzw. deponieren, das einen immer wieder hinzieht, warum eigentlich nicht ? So ließe sich sagen, ich hab noch ein Täschchen in Tschechien. Im Zweifelfalle hilft immer Humor; selbst wenn es nur zu Galgenhumor reichen sollte. Und wenn man die Dinge, ich meine den Irrsinn der Zeit, nicht ändern kann, so kann man sich doch darüber hinwecksetzen und ihn ganz gezielt und gepflegt auf die lustige Art nehmen. Ungefähr so, jedenfalls mit aus diesem Beweggrund heraus entstand vor ein paar Jahren das Kürzel Mihigru. (Ist von Eo.) Hat sich erfreulicherweise längst rumgesprochen. Demnächst auch ein spezieller Beitrag dazu mit Chronologie, erste Nachweise usw. auf eos-o-ton. Die Sprache ist der Schlüssel - aber da haben zum Glück auch noch die Dichter ein Wörtchen mitzureden. Die anderen sind, wie man immer wieder feststellen muß, im besten Falle doch nur Kunsthandwerker.


--------------ж--------------


√ 34.


Die Lage ist hoffnungslos,
aber (noch) nicht ernst !
... Musikspur: Astor Piazolla - Libertango ...

Dienstag, 1. Dezember 2009

Am Scheideweg ...



Ost-Ennerich (VSE)
1. 12. 09, Di

Man muß nicht alles so pessimistisch und defätistisch sehen. Wer sich schon im Vorfeld aufgibt, weil er nur Ohnmacht und Schwäche sieht und sich selbst auch nicht viel anders erlebt, ist nach meiner Auffassung keinesfalls realistisch sondern bloß jämmerlich. Um zu verstehen und über den Tag hinauszusehen, sollte man viel eher dialektisch oder auch esoterisch an das Kernproblem, das K-Problem, herangehen. Denn vielleicht ist diese verschärfte (Konkurrenz)Situation, die sich einstellt dh. mit der wir es zu tun kriegen, die lange unbeachtet blieb wenn nicht von Staats wegen gefördert und gutgeheißen wurde und sich so ungebremst entfalten konnte (die dem Volk jetzt - ganz aktuell zu vermelden - nach langem Bauchgrimmen nun übel aufstößt, wie gerade geschehen in der Schweiz (58 % gegen Minarette und solche Herrschaftssymbole und bei spontanen Internetumfragen für Dland bei Spiegel-Online und BILD mit 78 bzw. 82 % sogar noch darüber !) ja genau diese besondere Herausforderung, die alle Kreativität und Kraft verlangt, um sie zu bestehen und damit als eine Art existenzielles Trainings- (nein heute sagt man) Fitneßprogramm zu begreifen, welches uns die Evolution verordnet, der Weltgeist zugedacht hat oder der Waldgeist uns aus Unbotmäßigkeit schickt, oder wer sonst noch in den höheren Sphären für die historischen Prozesse zuständig sein mag, und jetzt diese Prüfung uns als Schicksal zukommen läßt. Wie es scheint, dürften in nicht allzu ferner Zukunft die Sporthelden wieder echten Helden gewichen sein; die fingierten Helden von heute treten dann wieder ins zweite oder dritte Glied zurück, um jenen Platz zu machen in Anerkennung und Wertschätzung, die sich in existenziellen Kämpfen hervortun und bewähren und an historischen Entscheidungen beteiligt sind, die darüber entscheiden, in welcher Zusammensetzung und Gesellschaftsform (dh. mit welcher Leitkultur und welchem Einfluß einer Religion auf das Gemeinwesen) die Deutschen in Zukunft leben können oder leben müssen. Soviel scheint derzeit gewiß, wir sind an eim Scheideweg angelangt, eine Entscheidung wird verlangt, bei der man sich entscheiden und damit von manchen scheiden muß. Und das betrifft jeden für sich wie auch das Land im Ganzen. Das alte Paradigma beginnt obsolet zu werden und die Lügen treten langsam offen zu Tage.

Die Schweizer haben ihre Chance genutzt und den Volksverächtern und ihren willigen Helfern einen Schlag ins Kontor versetzt; tun wir es ihnen nach !
Denn: WIR SIND NICHT DOOF ! Und wie der Berliner sagt - verarschen kann ick mir selber.

--------------ж--------------


Als Spruch passend zum Text ein Spruchplakat

33.

¿ Feigheit oder Freiheit ?
So und nicht anders wird die Zukunftsfrage lauten.
Oder wer wird wem den Stempel aufdrücken ?





Zum Schluß hier noch ein Verweis auf den Apho-Blogg, der letztens reanimiert wurde und einen interessanten Textauszug mit dem Titel ‘Gab es einst Riesen ?’ enthält.

…Musikspur: Bob Marley - Sun is shining / Kaya….






Z

Dienstag, 24. November 2009

Der Strom der Zeit ...

Ost-Ennerich (VSE)
23. 11. 09 Mo

Der November macht bekanntlich leicht trübsinnig wie auch nachdenklich - so schnell ist nun wieder ein Jahr dahin gezogen, und wir aufs neue in der Dunkelzone des Novembers angelangt. Aber so ist das eben, die Zeit schreitet unerbittlich voran; was ist schon ein Tag oder auch ein ganzer Monat ? So schnell, wie er gekommen und vorbeigezogen ist, ist er wieder Geschichte.
Eins, zwei, drei - im Sauseschritt / läuft die Zeit, wir laufen mit*. In dieser Art empfand es Wilhelm Busch und hat es in dem ihm eigenen Stil mit treffenden Worten plastisch beschrieben. Das kann man auch etwas anders sehen, wie es etwa Schiller getan hat. Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, ewig still steht die Vergangenheit*.
Während der geniale Zeichner mit dem schnellen Strich sich ganz am Tempo berauscht und Schritt zu halten versucht, setzt der sprachmächtige Dichter auf einen philosophisch-analytischen Blick, um dem Phänomen Zeit beizukommen. Natürlich, das Jetzt ist eigentlich immer, also jederzeit, wenn man sich dessen gerade bewußt wird; und damit auch immer gleich schon wieder vorbei und passé. Klar, morgen ist heute gestern*. Und die Speise von heute ist die … Aber lassen wir das. Der eigentliche Charakter der Zeit ist sogesehen das Fließende, also das ständig im Fluß sein. Und die Fluß-Metapher hat zudem den Vorteil, das sie die unterschiedlichen Qualitäten von Zeit in sich spiegelt, denn ein Fluß fließt keinesfalls immer mit der gleichen Geschwindigkeit dahin; mal wälzt er sich träge durch eine flache, monotone Ebene, dann wieder wird er schnell und tosend, wenn sich das Tal verengt und Stromschnellen für zusätzliche Turbulenzen sorgen… Soweit nun die Reflexionen zu November, Vergänglichkeit und Zeit. Eine kleine Fortsetzung gibt‘s noch weiter unten in Gestalt des Novemberspruchs aus den Kalender-Sprüchen 09. (Kalender-Sprüche 2010 demnächst erhältlich).

Alle diese Sprüche gibt es originell und schön gestaltet als Karten
- zu bestellen zB. im Zehnerpack für 5 Euro. + 1 Euro Versandkosten
oder direkt im Laden. Eine kleine Auswahl der Karten und Schilder hier.

Nun aber zur nächsten Lesung im LI-LA Literatur-Laden. Ein spannendes Thema erwartet Sie, nämlich ein anthropologischer Essay eines großen Reisenden dieses Jahrhunderts der auch ein begnadeter Stilist war - ungemein aufschlußreich und anschaulich geschildert - der es vermag in Bann zu ziehen sowie einige massive Probleme der Gegenwart vom grundsätzlichen her zu beleuchten.
Am Fr., den 27. 11. um 20.15 Uhr

Bruce Chatwin – 'Nomadensturm'

Eine brillante ethnologische Studie
in eindringlichen Bildern eines rastlosen Geistes
über den elementaren, Jahrtausende alten Gegensatz
zwischen seßhaften Kulturen und Nomadenvölkern.
Eo Scheinder liest einen Essay aus
'Was mache ich hier'
von Bruce Chatwin.

--------------ж--------------

□ 32. ■
Der Strom der Zeit
ergießt sich
in das Meer der Ewigkeit


(Kalenderblatt demnächst.
Die verdammte Technik eben !)

Aber nun hier das Kalenderblatt an anderm Ort
Viel schöner anzusehen.

...Musikspur: Maria - Debbie Harry / Parallel Lines...


Freitag, 20. November 2009

Der Wahnsinn kursiert grenzenlos


Ost-Ennerich (VSE)
19. November 09 Do

Je älter ich werde, umso nüchterner und unaufgeregter werd ich auch. Nicht daß ich mich nicht über gar manches, ja vieles und vor allem über eines ärgere (und immer wieder stets aufs neue ärgern muß). Das läßt sich angesichts der verqueren Lage, der Trends und der trüben Aussichten nicht vermeiden. Aber wirklich schocken kann mich, zumindest als Meldung oder Filmbericht aus der Gegenwart, so leicht nichts mehr. Ja, wie auch bei den wild ins Kraut geschossenen Lügen, der allwaltenden Heuchelei und dieser widerlichen Verkleisterung aus Neusprech und Umerziehung, die einen alsbald umwehen, wenn man mal einen Sender einschaltet oder eine Zeitung aufschlägt. Der ganz normale Wahnsinn eben, der die Zeit erfaßt hat und von dem der Zeitgeist viel mehr als nur ein Liedchen singen kann. (Zu diesem hochergiebigen Thema wird demnächst auch ein Büchlein erscheinen mit Texten und Sprüchen, sowie Collagen und flotten Zeichnungen des Autors. Dies ‘Wahnsinns’-Buch wird den Wahnsinn im Titel führen; bei Gelegenheit mehr). Daß Politik kein sauberes und moralisch einwandfreies Geschäft ist, bekannte schon Bismarck, als er sich einmal dazu freimütig äußerte, etwa derart - die Menschen schliefen einfach besser, wenn sie nicht wüßten, wie Politik und Würste gemacht werden. Dabei ginge es nun einmal nicht immer so sauber und gerade zu; die krummen Wege werden eindeutig bevorzugt, denn ein Politiker muß immer auf der Hut sein und mit den Finten und Winkelzügen seiner Gegenspieler rechnen. Sehr wohl gibt es Unterschiede; auf der Skala von Verläßlichkeit und in Grundfragen ehrlich über Opportunismus bis hin zu abgefeimtester Perfidie hat es viele Zwischenstufen, auf denen man sich positionieren kann. Nur leider sind die altehrwürdigen Werte wie Verläßlichkeit und Charakter heute nicht mehr so sehr gefragt und vor allem dem Fortkommen und sozialen Aufstieg nicht sonderlich dienlich, während die geschmeidigen, aber nicht so haltbaren Verhaltensweisen vom anderen Ende der Skala leichten und schnellen Erfolg versprechen und für die Gesellschaft der Spätzeit stilbildend geworden sind. Das zynische, verantwortungslose, beziehungslose und perfide Verhalten hat sich immer mehr durchgesetzt; das sagen mir meine Augen und teilt mir ebenso die Witterung, das instinktive Gespür, mit. Aber bei diesen Vorbildern auch nicht weiter verwunderlich. Um auf die Sonnenseite zu kommen, arbeiten die meisten mit Tricks - und um so weit wie möglich nach oben zu gelangen, möglicherweise bis auf die Spitze der Pyramide, ist dann gewissermaßen jedes Mittel recht.



--------------ж--------------

Bei folgendem Spruch bin ich leider gezwungen, eine Warnung bzw. Verständnishilfe voranzustellen, die da lautet: VORSICHT SATIRE ! Nicht daß da irgend ein humorloser Frustkopp rührig wird und mir hernach noch die Ärzte- oder Apothekerkammer aufs Dach steigt … Aber wenn man diesen staatlicherseits aus sogenannten Verbraucherschutzgründen zwingend vorgeschriebenen Satz zu oft zu hören kriegt, entwickelt man mit der Zeit starke Aversionen gegen Sprüche dieser Art und deren Verursacher. Die spinnen, die Römer; und Römer sind alle, die sich groß was anmaßen und die Menschen mit ihrem Dummfug belästigen. Oder wie mein Freund Schorsche derlei Gedanken- und Sprachmüll knapp und trocken zu kommentieren pflegte - Der Wahnsinn kursiert grenzenlos.


♂ 31. ζ

Sollten Risiken oder Nebenwirkungen auftreten,
zerreißen Sie die Packungsbeilage
und schlagen Sie bitte ihren Arzt oder ihren Apotheker.

Wer noch ein wenig weiter klicken mag, hier noch etwas aus der Kategorie Angewandter Wahnsinn mit dem Titel: ‘Ein echter Schildbürgerstreich’

…Musikspur: Lionard Cohen - Let’s sing another song, boys, this one has grown old and bitter / Livesongs…

Donnerstag, 12. November 2009

Alte Müllerweisheit

Ost-Ennerich (VSE)
11. 11.09, Miretwoch

Die Zeiten ändern sich … - tempora mutantur nos et mutamur in illis. In diesen Zeiten zB. daran zu erkennen, daß nicht mehr nur die Rechten rechte Sprüche machen. Warum ? Darauf gibt es eine ebenso einfache wie zutreffende Antwort. Weil das (falsche) Denken (= all die falschen Prämissen und Dogmen und Denkvorgaben), das dies Land und halb Europa in dieses konfliktreiche Szenario geführt hat, niemals der Lösungsansatz sein kann, dieser kapitalen Misere auch endlich abzuhelfen. Denn alle offiziellen Lösungskonzepte haben bislang stets eine Vergrößerung der Probleme zur Folge gehabt. (So schießen mittlerweile allerorts die Moschen wie Pilze aus dem Stadtboden.) Als könnten bei eim solch großen kulturellen Abstand derart laue Therapien wie Sprachkurse, forcierte Einbürgerung und spezielle Förderprogramme am Grundproblem etwas ändern ! Aber unsere tollen Picker, äh Politiker ficht das, bis auf wenige Ausnahmen, noch immer nicht an. Im Gegenteil, sie verstärken nunmehr ihre Dummpropaganda, die den Leuten schon längst aus den Ohren herauskommt. Mit aufgeblasenen Begriffen wie Integrationsziele, Integrationsgipfel und Islamkonferenzen wird versucht, politische Entschlossenheit zu demonstrieren und so etwas wie ein Zukunftskonzept anzubieten. Was nur leider keines ist, wie der bisherige Verlauf all dieser Maßnahmen und Bemühungen in den letzten Jahren nur zugenüge gezeigt hat ... Viel eher droht, wie im letzten Beitrag schon angedeutet, allmählich eine Kritische Masse erreicht zu werden, die, wie die Physik lehrt, zu einer Kettenreaktion führen dürfte, welche aller Wahrscheinlichkeit nach unkontrolliert ablaufen wird. Und warum ? Weil die bisherige Entwicklung wenig Anlaß gibt zu glauben, bei dem, was geschieht, handele es sich um einen steuerbaren, kontrollierten Prozeß, den unsere glorreichen Staatslenker zu jedem Zeitpunkt im Griff wie auch unter Kontrolle hätten. Einen solch naiven Glauben verbreiten heute nur die Propaganda-Blättchen der Regierung sowie die unter fortschreitendem Leserschwund leidenden Verkleisterungsmedien. Aber deren Wirklichkeitsbild ist immer fein ausgesiebt, gewichtet und auf die zu verkündende Botschaft hin ausgerichtet. Damit niemand irgendwelche ‘falschen’, nein unerwünschten Schlüsse zieht und womöglich daran Geschmack finde fürderhin gefährlich zu denken. Wer allerdings mit offenen Augen durch die Straßen läuft, in etwas belebteren Vierteln, und das gilt für die allermeisten Städte, sieht ein anderes Bild, insbesondere wenn sein Weg an Schulen vorbeiführt und er sich angesichts der herausströmenden Schülermassen ein paar Gedanken über die künftige Zusammensetzung der Gesellschaft macht und über die daraus resultierenden künftigen Kräfteverhältnisse nachdenkt. Kann mir nicht helfen, krieg dann irgendwie so ein komisches Gefühl, das von elementaren Tiefen her aufsteigt. Und plötzlich sehe ich (zukünftigen) Realitäten ins Auge, von deren Dynamik mir die Medien so gar nichts vermitteln; im Gegenteil, die sie nach Möglichkeit verschleiern oder frech leugnen und einfach nicht wahrhaben wollen. Oder gar als eine tolle Bereicherung und unser großes Zukunftsheil abfeiern. (Habe seit gestern ein Propagandabüchlein auf dem Tisch, aus dem dann gelegentlich einige Kost- oder besser Kotzproben serviert werden). Jedenfalls stellt sich bei näherem Hinsehen mit eigenen Augen und kritischem Blick so manches ganz anders dar; und wenn sich zu solchem Gewahrwerden auch noch die ein und andere heikle Erfahrung gesellt, beginnt man an der medialen Darstellung der gesellschaftlichen Realität(en) und wie diese zu bewerten sei, nachhaltig zu zweifeln. Angesichts der Prozesse, die nicht mehr nur unterschwellig sich anbahnen, sondern schon offen Fahrt aufgenommen haben, müßte viel mehr die Zukunft thematisiert werden … Aber das kann man den Leuten doch nicht zumuten, das wäre zu starker Tobak, sich mit der Denkfigur zu beschäftigen, es könnte da einen Schwellenwert geben mit der Bezeichnung Kritische Masse, der früher oder später dann erreicht und überschritten wird. Oder daß es nicht nur im wirtschaftlichen Kontext feindliche Übernahmen gibt und auch daß derzeit auf unterschiedlichen Bereichen ein beinharter, zuweilen messerscharfer Verdrängungswettbewerb im Gange ist.
Allesamt Metaphern, die in ihrem Geltungsbereich hochwirksame Phänomene beschreiben. Aber nein, Physik hat doch nichts mit hochkomplexen gesellschaftlichen Prozessen zu tun und der Mensch auch so gar nichts mit Biologie …


--------------ж--------------


Als Spruch heute mal einen guten von meim Großvater, der damit schon etwas älter ist, dabei aber zeitlos gültig und somit gerade heute hochaktuell. Ist eine alte Müller-Weisheit und die lautet:

~ 30. ~

Allzu viel zerreißt den Sack.
Hier noch der letzte Beitrag auf eos-o-ton über ein


…Musikspur: J. S. Bach - Toccata und Fuge für Orgel…..

Dienstag, 27. Oktober 2009

Kritische Masse

Ost-Ennerich (VSE)
26. 10. 09 - Mo



Sarrazin und kein Ende. Gut möglich, daß bald die ersten T-Shirts mit der lakonischen und trotzdem aussagekräftigen Aufschrift:
SARRAZIN ?! Find ich gut !!!
auftauchen. Wer so beschriftet sich durch belebte Straßen bewegt, dürfte wohl, wie die Umfragen und explosiven Leserreaktionen an die Zeitungsredaktionen zeigen, auf breite Zustimmung stoßen. Wenn auch bestimmt nicht bei allen. Nur leider ist die Zeit für T-Shirts und luftige Kleidung erst mal auf etliche Monate vorbei. Schade eigentlich.
Überhaupt hat es den Anschein, daß nun der Punkt erreicht sein könnte, wo die Leute nicht mehr bei sich halten wollen und können, wenn sie von Medien und Politik mit blöden Sprüchen und offenkundigen Lügen beballert und abgespeist werden. Und wenn dann endlich doch einer mal wirklich Klartext, Tacheles und also ohne Schnörkel zur Sache redet und damit DEUTSCH zu den Leuten spricht, aus Sorge um die Zukunft - des eigenen Landes wie auch seiner Kinder und Enkel usw., dann buht man ihn sogleich kräftig aus, weil er ja damit den heiligen Prozeß der Integration stören wenn nicht mit seinen 'menschverachtenden Äußerungen' zunichte machen würde, wie manche Knallköppe sich erdreisten zu äußern.
Integration ? Wenn so etwas tatsächlich stattfinden würde, gäbe es die vielen diesbezüglichen Probleme ja nicht. Daß die Integration gescheitert ist, geistert immer wieder aufs neue durch die Debatte, ohne daß dieser Befund weiter bei den Verantwortlichen verfangen würde und sie nüchtern nach den Gründen und effektiven Gegenmaßnahmen fragen ließe.
Die Zustände sind eben, wie sie sind, das ist klar. Davon müssen wir ausgehen; so und nicht anders ist leider die Geschäftsgrundlage. Aber müssen wir sie, die Zust ände, deswegen für gut befinden und die gesamte Entwicklung damit auch gutheißen ? Nein, so wie es läuft kann es nicht weitergehen. denn bei eim solchen Zustrom von außen und ebenso durch einen dermaßen starken Zuwachs von innen (durch die wesentlich höhere Fertilität), kann es allein - faktisch gesehen - keine Integration mehr geben, stattdessen nur Desintegration. Denn Integration hat zum einen immer etwas mit Integrationsfähigkeit und -bereitschaft derjenigen, die von außen dazustoßen, zu tun und zum anderen vor allem sehr wohl auch mit der Zahl der zu integrierenden im Verhältnis zur Aufnahmegesellschaft. (Wieder so ein doofer Terminus, den diese bescheuerte Zeit und die grottenschlechte Politik uns aufdrücken wollen, wie all die anderen sperrigen und häßlichen künstlichen Plastikworte und -wendungen).
Die Schulmisere gibt beredt davon Zeugnis; in nicht wenigen Großstadtbezirken nähern sich die Migranten-Zahlen, also die Anzahl der Schüler mit Mihigru langsam aber sicher der 100 Prozent-Marke. Über 90 % sind in Kreuzberg oder Neukölln (und in Altköln wohl auch) schließlich keine Seltenheit. Mit etwas Galgenhumor ließe sich sagen, dann ist ja bald der Boden erreicht, denn mehr als 100 % können es nach den Gesetzen der Mathematik nicht mehr werden.
Daß dies keine gute Entwicklung sein kann, schwant den Leuten nun mit Wucht und sie beginnen sich endlich und ernstlich Sorgen um die Zukunft zu machen, wenn dieser Irrsinn weiterhin ungebremst so weiterlaufen sollte. Allmählich kommt außer dem Frust auch die Angst ins Spiel. Manch kritische Zeitgenossen fragen sich, ob da nicht schon bald eine kritische Masse erreicht ist, die die Lage über Nacht explosiv machen könnte. Der Frust sitzt mittlerweile tief und er verlangt nach Äußerung. Nicht nur bei Thilo Sarrazin.

PS. Eine kleine Abschweifung.
Hoffentlich kommt niemand von den Multikultis und Integrationsgewinnlern auf die blöde ID den Namen Sarrazin rückwärts zu lesen ! Das wäre Wasser auf die Mühlen derer, die ständig auf der Suche nach verdächtigem Gedankengut sind … Wenn sie dann noch zwei Vokale schütteln, haben sie ihr perfektes Feindbild in nuce, denn deutlicher geht es fast nicht mehr.
-- Folgsetzung fort--

--------------ж--------------

Der Spruch zum Merken und Weitersagen ist den letztgenannten Träumern und Idiologen gewidmet, denen wir diese Malaisse mitsamt der trüben Zukunftsaussichten letzthinnig zu ’verdanken’ haben, und stammt vom großen Spötter Mark Twain.

?? 29. ??
Nachdem wir das Ziel
endgültig
aus den Augen verloren hatten,
verdoppelten wir
unsere Anstrengungen.


Wer neugierig ist (und auch nicht gerade ängstlich im Denken) sei auf einen älteren Beitrag in eos-o-ton verwiesen. Titel: Wer nicht hören will ...

...Musikspur: Rilke-Projekt - Herbsttag / Gottfried John....

Donnerstag, 22. Oktober 2009

... ziemlich viel Deutschland

Ost-Ennerich (VSE)
21. 10. 09 Mi

Vor 20 Jahren war ziemlich viel Deutschland, und dazu atemberaubend viele schwarzrotgoldene Fahnen in den Medien zu sehen, nicht nur hier sondern auf der ganzen Welt; mit dem Honecker-Rücktritt spätestens, der grad vor drei Tagen war (damals), wenn nicht mit der großen Protestkundgebung auf dem Alexanderplatz am 9. Oktober, war der Protest in seine heiße Phase übergegangen und dominierte die Schlagzeilen europaweit und darüber hinaus. Von dieser Spannung und Euphorie und dem Geschlossenheit und Aufbruch symbolisierenden Fahnenmeer ist nicht viel geblieben. Wie es den Anschein hat, wird die 20. Wiederkehr des Mauerfalls nur sehr bedächtig gefeiert (werden), einige regelmäßige Erinnerungsartikel zur Wendezeit in den Tageszeitungen und im Rundfunk, die ein und andere Diskussion und Ausstellung und dann noch einen Gedenkakt mit einer Ansprache am Brandenburger Tor am 9. November mit den ‘Vätern der Einheit’ von damals und deren politischen Nachfahren von heute. Mit eim schwarzrotgoldenen Fahnenmeer und einer fröhlichen Party ob der wiedererlangten Einheit wird es wohl nichts werden. Dabei bedeutet dieses Datum einen so großen Wendepunkt, daß man es auch groß feiern müßte. Schon allein deswegen, um sich dieser rauschhaften Tage vor und nach dem Mauerfall wieder einmal eingedenk zu werden. Den kollektiven Taumel vom Herbst 89 hätte man beschwören und kultivieren müssen; und in eim Ritual jedes Jahr um diese Zeit als glückliches Geschenk und wundersame Fügung in fröhlicher Verbundenheit aufs neue begehen sollen. Aber da die Einheit bei den meisten Deutschen nicht den Stellenwert genießt, den sie verdient, und das Gedächtnis für historische Entscheidungen bei den großen Mehrheit nicht sehr ausgeprägt ist und auch nicht so lange vorhält, und unsere Medien mit (positiver) nationaler Symbolik salopp gesagt wenig am Hut haben und stattdessen lieber ein Zerrbild zeichnen (Als ein Volk die Welt überfiel - Schlagzeile im SPIEGEL), so dümpelt das Projekt Einheit und Wiedervereinigung, nachdem die erste Euphorie sich gelegt hatte und die ökonomischen Schwierigkeiten und die alltäglichen Anpassungsprobleme sich umso stärker ins Bewußtsein drängten, (vor allem ins öffentliche) seitdem eher lust- und konturenlos vor sich hin, als eine Veranstaltung unter anderen, unter ferner liefen eben. Und warum ? Weil weder die Politik und erst recht nicht die Medien es versucht (nein nicht gewollt, wenn nicht bewußt hintertrieben) haben, den Patriotismus im eigenen Land (wieder) heimisch werden zu lassen und die Deutschen zu einer stärkeren emotionalen Bindung zum Eigenen zu ermuntern, die am Tag des Mauerfalls auf fröhliche und festliche Art nicht allein in Berlin am Brandenburger Tor nach Kräften gefeiert wird. Auch wieder so eine vertane Chance. Hätte man sie mutig ergriffen, wären gewisse Probleme im Lande mit Sicherheit nicht so groß geworden bzw. allzu sehr ins Kraut geschossen … Aber man hat sich, wie’s uneinigen Leuten des öfteren geschieht, zum eigenen Nachteil ohne große Mühe oder Widerstand auseinanderdividieren lassen., wie - historisch gesehen - naive Kinder. (Napolchen hat das mal absolut treffend auf den Punkt gebracht; Zitat demnächst hier). Es ist ja kein Geheimnis, daß die 68er (diese falschen 50er der deutschen Geschichte) auch heute noch leicht Komplexe kriegen, wenn sie mit deutschen Fahnen konfrontiert werden; bei schwarzrotgold sehen sie alsbald nur noch rot (!) und fangen an zu geifern, so als würde damit der böse Wolf Einzug halten. Welch ein dummer und unhistorischer Vorwurf, sintemal in jenen Jahren schwarzrotgold als Fahne der Republik suspendiert war. Und wenn es das nicht ist, dann heißt es, man finde die deutsche Trikolore irgendwie langweilig, spannungslos oder nicht heiter genug und zu düster. Sicher, der schwarze Streifen haut ziemlich rein und ist auf Flaggen eher selten anzutreffen; zweifelsohne eine eigenwillige Farbenkombination, aber alles andere als reizlos. Und ungemein dynamisch, ja voller Symbolik. Voller eruptiver Symbolik. Um das zu erkennen, muß man vielleicht etwas länger hinschauen; und irgendwann macht es dann klick. Mehr will ich im Moment dazu an Worten nicht verlieren bzw. verraten, dafür jedoch ein Bild sprechen lassen, das die symbolische Essenz dieser Farbkombination einsichtig macht.




Hat doch was, oder ?
Könnte man vielleicht zu einer erneuerten, dynamischen Deutschlandfahne weiterentwickeln; wenn ich das mal sagen darf. Wie die Farben schwarzrotgold zustande gekommen sind, weiß kaum jemand, am wenigsten die Schüler und Studentierenden. Diese neuen Nationalfarben, die für das ganze Deutschland stehen sollten, kamen nämlich vor etwa 200 Jahren auf, als in deutschen Landen Napoleon und die Franzosen das Sagen hatten und die Deutschen der Fremdherrschaft allmählich überdrüssig wurden und in den Freiheitskriegen dann erste Mutige für die Freiheit zu streiten begannen. Diesen Freischärlern fehlte es außer Entschlossenheit an vielem, vor allem an Material und Ausstattung. Und da sie natürlich auch keine Uniformen für ihre Kämpfer hatten, mußten sie improvisieren. Kurzum, sie färbten alles schwarz und setzten rote Schulterklappen auf die Jacken, die sie zudem mit goldenen Knöpfen versahen. Fertig war schwarzrotgold. Übrigens, über das ‘gold’ (und nicht gelb) hatte ich mir schon als Kind das ein oder ander Mal den Kopf zerbrochen.
Bin heute zu faul, nach eim neuen Spruch Ausschau zu halten und nehme daher einen bewährten alten Kalenderspruch, der sich leider noch längst nicht erledigt hat.



--------------ж--------------

光 28. 光

Das fundamentale Problem dieser Zeit aber
ist im wesentlichen
ein mentales


Zu den Ereignissen, die vor 20 Jahren Weltgeschichte schrieben, noch eine Ergänzung, ein Stimmungsbericht, der das überaus hohle Meinungsbild der ‘Eliten’ just neun Monate vor dem Exitus der DDR in seiner Selbstgefälligkeit und Naivität entlarvt. Es ist fast wie in diesen Tagen; wer damals unangenehme Wahrheiten aussprach oder still gehegte Sehnsüchte zum Ausdruck brachte, wurde als komische Figur hingestellt oder als menschenverachtender Widerling fertiggemacht. Wahrlich, wer die Wahrheit sagt, muß ein schnelles Pferd haben. Denn die Meute ist schnell hinter ihm her.


Musikspur - Chrissie Hince / Pretenders: Back on the Train