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Freitag, 18. Oktober 2013

Die Sprache ist die Zeige ...










Ost-Ennerich (VSE)
- Do - 17. 10. 2013 -



Die Sprache
ist bekanntlich vieles - für die einen mehr ein Exerzierfeld, für andere aber ein großes Spiel- und Experimentierfeld.

Erstere verweisen gern
auf feste Regeln und Konvention - und das mit eim gewichtigen Grund, damit die Sprache eine solche wichtige Funktion wie Verständlichkeit nicht einbüßt.

Während die anderen im Gegenzug
Abweichung und Variation als einen besonderen Wert erachten, welche beide die Lebendigkeit der Sprache mit ihren schier unbegrenzten Sageweisen und witzigen Verknüpfungen erst möglich machen.

Man kann sich nun auf die eine
oder die andere Seite schlagen, aber wenn ma sich ernsthaft auf die Sprache einläßt und die Sprache als das eigentliche Betätigungsfeld ansieht, wird man irgendwann begreifen, daß beide Positionen ihre Berechtigung haben.

Wie auch, daß ma gut daran tut,
für sich selbst flexibel zu bleiben und am besten abwechselnd die jeweils andere Perspektive mal für eine Weile einnimmt.

Eine gewisse Einheitlichkeit in
der Orthografie und im Schriftbild ist gewiß nicht zu verachten.

Man stelle ich einmal vor,
wenn, sagen wir, Arno Schmidt Schule gemacht hätte und ein Großteil der Autoren sich daraufhin eine höchst eigene Orthografie zugelegt hätten ? 

Dann würden sich ihre Bücher
höchstwahrscheinlich  lesen, wie die Beiträge in so manchen Foren, wo sich die Legastheniker gleichviel ob nun mit oder ohne Mihigru tummeln.

Auch nicht gerade
eine schöne Vorstellung. Aber ein gewisses Maß an Abweichung und Variation muß ebenso möglich sein, um den Verlautbarungscharakter, wie er bei offiziellen und formalen Schreiben so oft vorzufinden ist, zu vermeiden.

Im Barock hat ma
dergleichen Formelhaftigkeit so sehr auf die Spitze getrieben, daß der Amtsschimmel nur zu oft laut gewiehert hat. Aber  man sollte sich auch nicht naseweis über lange zurückliegende Zeiten lustig machen, denn wir sind mittlerweile schon wieder nahe dran.

So wurde in Hannover
die Bezeichung Zigeunerschnitzel wegen Zigeuner und so für bedenklich und für diskriminierend erklärt und daher der Verbannung aus dem allgemeinen Sprachgebrauch anbefohlen.

Ob die dort nun arbeitslose
Akademiker einstellen, die dann in jedes Haus geschickt werden, um dort in jedem Lexikon den Zigeuner-Vermerk zu schwärzen ? 

Zugegeben ganz schön übertrieben,
aber ich halte die idiologisch verbohrten Weltbeglücker, die sich seit geraumer Zeit über die offizielle Schiene sich an der Sprache zu schaffen machen, noch zu ganz anderen Scherzen für fähig.

Damit die Sprache nicht verkommt,
sollte jeder, dem etwas an der Sprache liegt, sich aufgefordert fühlen, diesen Machenschaften - so wie er es vermag - entgegen zu wirken.

Und was ist die Sprache noch ?
Ein Kosmos für sich und ein Verweisungssystem von hohen Graden.

Oder wie es ein großer Philosoph,
der immer dem Wald und den Bergen verbunden blieb und gern in seiner hochgelegenen Hütte philosophierte, einmal sagte - die Sprache ist die Zeige. Und die Aufgabe des Philosophen sei es nun, die Sprache als Sprache zur Sprache zu bringen. ….




 
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°+;   176.  ;+°


Wie armselig
diese Zeit ist,
merkt man unmißverständlich,
wenn ma für eine Weile
ihren scheußlichen
Neusprech-Plastikworten lauscht  …




Wie war das noch mal 
bei KonfuziusWenn die Sprache nicht stimmt, so ist  … 

Gibt es auch als Spruchblatt 
im LI-LA Literatur-Laden oder hier in eim älteren Bloggartikel.





... Musikspur: Paco de Lucia - Almonte / Zyryab ...

Dienstag, 22. Mai 2012

... damals auch schon






Ost-Ennerich (VSE)
- Mo - 21. 5. 2012 -



Wo die Sprache nicht stimmt
und eben falsch ist, wie die Gedanken und Hintergedanken, die sie transportieren soll, klingt dieselbe auch seltsam hohl, aufgebläht, umständlich und verschwurbelt, daß es einen unverbildeten Sprecher und freien Denker alsbald nervt, ja tierisch auf den Zeiger geht, eine solch unlebendige Sprechweise, die mit Codewörtern und idiologisierter Terminologie gespickt ist, auf längere Zeit anhören zu müssen.

Da kann ma schon leicht
Zustände kriegen und ausfällig werden wie weiland der faule Lorenz hinter der Wiesen, der vor gut 300 Jahren mal einen Eklat wegen der allgemeinen Dummschwallerei inmitten einer Hochzeitsgesellschaft vom Zaum gebrochen hat.

Solche Paraboleme
gab es also damals auch schon; aber damals waren es nicht die Anglizismen und das opportunistische Polkor-Gesülze oder Gossensprache und Pidsch‘n-Gebrabbel sondern à la Mode-Wichserei mit möglichst vielen französischen Fremdwörtern.

(Zu diesem Thema demnächst mehr,
u.a. sehr treffliche und treffende Worte von Konfuzius, die - obwohl 2500 Jahre alt - gerade heute wieder hochaktuell sind.) 

Aber für heute
begnüge ich mich mit eim vergnüglichen Zeitsprung um gut 300 Jahre ins Barock.

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Capitul XIII

Lorenz gibt auf alle Fragen Bescheid und informiert das Frauenzimmer



Es ist eine alte Gewohnheit, bei Hochzeiten lustig zu sein, aber gar eine junge Gewohnheit ist es, bei Hochzeiten hoffärtig zu sein. Die Lust entspringet teils aus der angenehmen Conversation der gegenwärtigen Freunde und anderer Bekannten, aber die Hoffart führt einen weit anderen Grund, und woher sie entspringet, brauchet keiner großen Auslegung, weil genugsam bekannt, daß bei solchen Zusammenkünften jeder der Vornehmste sein will. 

»Ha«, sagte Lorenz von der Wiesen, als er vermerkte, daß etliche nur darum hohe Reden führten, auf daß sie von andern für gelehrt angesehen würden, »ihr seid und werdet sein die allernärrischsten Affen. Warum und aus was für einer Ursach machet ihr solche fremde und unbräuchliche Mienen über- und gegeneinander? Man weiß gar wohl, wer ihr seid und wer eure Väter gewesen, und dennoch bildet ihr euch mehr ein als sich dieselben eingebildet haben und seid doch nicht so klug, wie dieselben gewesen sind.

Sie ließen es bei der alten deutschen Mode verbleiben, aber ihr suchet statt der alten deutschen Wörter lauter französische Terminos auf, dadurch man das Krauen in den Ohren krieget. Ach, ihr guten Freunde, ich rede es euch zum Besten, und ihr habet keine Ursach, deswegen auf mich böse zu werden oder mich bei dem krummfüßichten Hufschmied Vulcano zu verklagen.

Es ist beim Rasperment wahr und gewiß, daß, nachdem wir die alte deutsche Treue von uns gelassen, ist auch die alte Glückseligkeit von uns gerücket. Ihr saget gegeneinander: ›Bruder, hole mich der und der, ich bin ein teutsches, aufrichtiges Gemüt, das weder durch Wasser noch Feuer, durch Regen noch Schnee kann anders werden.‹

Seid ihr dann nach eurem Vorgeben teutsch, warum redet ihr französische Fratzen in eurem Gespräche? Ein Teutscher ist ein Teutscher, und ein Franzos ist ein Franzos. Redet ihr wie die Franzosen, was seid ihr dann für Teutsche? Ach, ihr guten Bürschlein, ihr tut es nicht allein, sondern es kommet jetziger Zeit auch sogar das Frauenzimmer angestochen und fänget an, französische Terminos in ihre Reden einzumengen.

Saprament, ihr Bürgersmägdchen, die Rute stünde euch viel besser auf dem Hintern als die französische Sprache im Maul! Wer die Franzosen im Mund liebet, der bekommt sie endlich noch an den Leib. Ihr bildet euch ein, durch eure Narrenpossen große Bäume umzuhaun, aber wenn man's bei dem Grund und an der Wurzel ansiehet, so habt ihr einen Floh totgeknacket, welcher euch durch den Tag im Hemde herumgehüpfet.

Meinet ihr, ihr alberne Knopflöcher, daß euer Maulmachen respectiert werde? Nein, bei meiner Treue, nicht ein Haar hält ein kluger Kopf auf euer Parlieren. Denn ihr habt in allen Sachen kein rechtes Fundament, und darum hofiere ich auf euer französisches Einmengen. ›Ja‹, sagt ihr bei euch selbst, ›der und der hält viel von meinen Discursen. Der und der hat beteuert, daß er all sein Leben lang niemand so klug von der Sache als eben mich reden gehöret.‹

Aber wisset, o ihr törichten Seich-Taschen, solche Gesellen grüßen den Zaun wegen des Gartens. Sie sagen: ›Ach, was ist das für ein herrlicher Zaun! Wie schön ist er geflochten!‹ Was meinen denn solche Gesellen durch den Zaun? Nichts anderes als den Garten, schlagen also auf den Sack und meinen den Esel. Darum so wisset ihr selbst besser, warum sie euch loben, nicht wegen eurer Geschicklichkeit, denn die habt ihr nicht, sondern wegen der Quintern, die wollen sie euch gerne visitieren und ihren Stilum applicieren.

Saprament, ihr Jungfern oder wer ihr seid, diesen Endzweck hat das Lob eurer Galanen und Liebhaber. Sie geben euch große Titel und suchen das Mittel, loben eure Krausen und wollen euch lausen. Ha, ich muß euch auslachen, ihr Narren. Betet dafür ein paar Paternoster, das nützet euch mehr als ein figermentisches Compliment!

Ihr saget: ›Ich will patientia halten‹, und wenn man euch fraget, wie patientia im genitivo pluralis hat, so wisset ihr's nicht. Was ist denn euer Latein? Ach, lasset solche Sachen bleiben, denen ihr nicht gewachsen seid! Der etwas ohne Grund redet, den hält man für einen Lügner, was seid dann ihr, wenn ihr solche Sachen redet, deren Grund euch ganz verborgen ist?

Wahrhaftig, dieses haben die Huren am allergemeinsten, daß sie jederzeit etwas suchen, dadurch sie von andern Weibsbildern mögen verschieden sein. Was suchet ihr aber euch selbst in den höchsten Verdacht eurer Ehre zu stürzen, wenn ihr mit Hintansetzung der euch zustehenden Einfalt euch hoch heraus brüstet und statt der jungfräulichen Demut lauter hurische Hoffart ausspeiet?

Ha, dadurch habt ihr mir einen Ekel gemachet, euch zu lieben, und ich halte viel mehr auf einen Furz als auf all euer Dicentes, so sehr auch dasselbe mit ausländischen Wörtern gespickt ist. Teutsche Einfalt - die beste Klugheit, hätten wir diese, kein Philosophus von Athen soll unser Meister werden! Aber nachdem alle Narren den Ausländern mehr als sich selbst geglaubt, sind sie durch ihre eigene Meinung bis auf den Grund und das äußerste Verderben betrogen worden.«

Diese Rede, ob sie gleich dem anwesenden Frauenzimmer trefflich in die Ohren gegangen, wurde doch zum Besten ausgeleget, weil man nach dem gemeinen Ruf des Pöbels allenthalben dafür gehalten, daß Lorenz hinter der Wiesen nicht wohl bei Sinnen und seine Klugheit mit dem abwechselnden Monde veränderte.

Aus dieser Ursach wurden seine Reden vielmehr belachet als bezürnet, und was noch das meiste dabei war, so bejahten ihrer viele die Meinung meines Herrn mit unterschiedlichen Umständen, dadurch sie die allenthalben eingeschlichenen Complimenten des Frauenzimmers verachteten. Andere aber vermeineten, daß, unerachtet Herr Lorenz solches aus einer unbedachten Gurgel herausgestoßen, müßte man ihm doch solchen Fehler, welcher das edelste Geschlecht dieser Erde, nämlich das Frauenzimmer beträfe, nicht für gut, sondern für Unhöflichkeit halten, mit welcher ein Cavalier seinesgleichen nichts sollte zu tun haben.

Also gab es leichtlich widersinnige Meinungen, weil jeder für das Frauenzimmer das Beste tun wollte. In Ansehung aber, daß Lorenz hinter der Wiesen ein durchtriebenes Ingenium hatte, welches auch die Allerklügsten abzuwürzen gewohnt war, unterließen sie ihre Defension aus Furcht, daß ihnen von demselben nicht ein Gleiches begegnen möchte. Denn sie wußten am besten, wo sie der Schuh drückte, und wie eine häufige Materia mein Herr, der ehrliche Lorenz, finden würde, sie durch alle Praedicamenta hindurchzuziehen.

Dies alles ungeachtet, fing doch ein auf dem andern Tische sitzender Edelmann an, und weil er wußte, wie Lorenz hinter der Wiesen neulich von einem Capuciner wäre examiniert worden, fragte er ihn und sprach: »Monsieur Lorenz, was machen die Capuciner?«
»Ha«, antwortete er, »sie fressen gebratene Hühner.«
Jener fragte wiederum: »Was machen denn die Jesuiter?«
Lorenz antwortete: »Sie küssen die Nonnen durchs eiserne Gitter.«
Der Erste fragte weiter: »Was machen denn die Karthäuser?«
Lorenz replicierte: »Sie fressen die Schnecken und scheißen in die Häuser. Darauf möchtet Ihr zu Gast geladen sein.«

Auf diese Antwort Herrn Lorenzens entstand in dem Hochzeitzimmer ein großes Gelächter, und den Spielleuten wurde geboten, Lärmen aufzugeigen, weil man befürchtete, die Wortwechselung möchte zu weit in die Schrift geraten.

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Ein Ausschnitt aus ‚Das Narrenspital‘ von Johann Beer.

Als einen weiteren Zeitsprung
hätte ich da noch für Literanauten einen aufschlußreichen Brief des großen Theoderich anzubieten, der satte 1500 Jahe zurückreicht.

Den famosen Spruch von Johann Beer
von oben, der leider erst jetzt geladen werden konnte, gibt‘s auch als Schild für die Pinwand (zum Preis von 2 Euro: samasuras staubernte.) Übrigens, ein gediegenes Motto für Autoren und all diejenigen, die sich dem Schreiben verschrieben haben.



… Musikspur: Marin Marais - Pièces de Viole …